Herr der goldenen Kerbtiere

In einem Jettenburger Häuschen hat sich ein Goldschmied niedergelassen

Jettenburg. ,, Ich habe schon einen wahnsinnig tollen Beruf“, sagt Holger Huber und strahlt. Unter seinen geschickten Händen des  39-jährigen wird Kostbares noch kostbarer, entstehen prachtvolle Halsketten, anmutige Ringe und anderes Geschmeide. Holger Huber ist Goldschmied. In seiner kleinen Werkstatt ist wirklich alles Gold was glänzt.

Der Schein ist so schön ,dass sich das Auge nur allzu gern von ihm täuschen lässt. Die Fühler und Beinchen des kleinen silbernen Käfers sind so feingliedrig herausgearbeitet, dass man beinahe damit rechnet er würde jeden Augenblick Holger Hubers Handteller verlassen und über die mit Schmirgelgerät ,Feilen und anderem Werkzeug bedeckte Werkbank krabbeln. Wie lange er gebraucht hat, um das Schmuckstück so lebensecht zu formen sei schwer zu schätzen, meint der Goldschmiedemeister . Ohnehin sei der kostbare Käfer mit einem Leib aus blauschimmerndem Aquamarin unverkäuflich.

Auch sonst falle es ihm mitunter schwer, ,,ein Stück aus der Hand zu geben“, gesteht Huber. Schließlich liegen bis zu zwölf Stunden Arbeitszeit zwischen dem gezeichneten Entwurf und dem fertigen Ring oder der  vollendeten Kette, die in kleinen Vitrinen ausliegen. Denn in Hubers Werkstatt, die er sich in einem kleinen Fachwerkhäuschen nebenseinem Wohnhaus eingerichtet hat, ist alles noch Handarbeit: Aus Spezialwachs schnitzt der gebürtige Reutlinger zunächst ein Modell, das in eine Form mit Guss-Sand  gedrückt wird.

Dann wird das granulierte Edelmetall in einem Tiegel erhitzt:  ,,Silber schmilzt bei  961, Gold bei  1063 Grad.“ Das flüssige Metall wird, ähnlich wie beim Kuchenbacken , in die Form gefüllt, kühlt ab und härtet aus. ,, Und dann“, erklärt Huber,  ,, fängt die eigentliche  Arbeit erst an“: Schleifen, polieren,  schmirgeln ,  wieder polieren- bis der Schmuck perfekt, der Goldschmied endlich zufrieden ist: ,,Bei  einem so kleinen Werkstück sieht man schließlich jeden noch so winzigen Fehler.“

Denn Hubers Kunden setzen auf Wertarbeit: ,, Wer auf dem Markt bestehen will, hat nur eine Chance, wenn er billige Massenware produziert oder hochwertige Arbeit leistet. Die Eröffnung seiner eigenen Werkstatt  2003 bedeutet für Holger Huber also nicht nur die Erfüllung eines langgehegten Traums, sondern auch Risiko. ,, Man muss sehr klein anfangen“, sagt Huber, der auf Bestellung  arbeitet oder auf Kunsthandwerker-Märkten unterwegs ist. Im Schuppen neben dem Haus will Huber seine Werkstatt weiter ausbauen.

Mittlerweile zieht es zwar immer mehr Kunden auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem nach Jettenburg.  Leben kann Huber von seiner Goldschmiede jedoch noch nicht. Holger Huber ist deshalb hauptberuflich in einer Trauringfabrik in Metzingen tätig.  ,, Dieser Beruf ist Zwang „, meint der Goldschmied. ,, Das Schöne bei meinen Kunden ist, dass viel zurückkommt“, berichtet Holger Huber. Der Kontakt breche auch nach den Auftragsarbeiten nicht ab: ,, Die Kunden rufen mich an und erzählen davon,  wenn sie von Bekannten auf die individuellen Schmuckstücke angesprochen werden.“ Und so ein Lob, das ist schließlich mit Gold nicht aufzuwiegen.

Anette Grüninger

Schwäbisches Tagblatt  15. Januar  2007